05.08.2011

Handwerks- und Zunftbrauch

Freisprechungsfeier im Steinzentrum Wunsiedel

Brauchtum vom Feinsten lebte bei der Freisprechungsfeier der Lehrlinge am Europäischen Fortbildungszentrum für das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk (EFBZ).



In Zusammenarbeit mit der Nord- Oberfränkischen Bildhauer- und Steinmetz- Innung Kulmbach wurden nach alter Steinmetz - Sitte die Lehrlinge nach bestandener Gesellenprüfung von der Lehrzeit freigesprochen.



Nachdem die letzten zwei Jahre eine traditionelle Freisprechungsfeier stattfand und sehr gut ankam, wurde diese Veranstaltung auch heuer wieder durchgeführt, um die Leistungen der jungen Steinmetzkollegen zu würdigen. Besonderen Dank sagte Heinrich Rhein, Leiter des Fortbildungszentrums, den Ausbildungsbetrieben und den Eltern der Lehrlinge.

Der stellvertretende Leiter des Fortbildungszentrums, Erwin Hornauer, führte durch die Freisprechungszeremonie und hatte sich dazu einen historischen Ablauf, recherchiert aus den mittelalterlichen Bauhütten, zurechtgelegt. Unterstützt wurde er dabei von den Ausbildungsmeistern Klaus Heinl und Jürgen Richter.

Extra zur feierlichen Ausgestaltung angereist waren Hans Sattler und Benjamin Liebl, zwei Altgesellen aus der Staatlichen Dombauhütte Regensburg mit historischer Steinmetzfahne. Angeführt von der historischen Zunftfahne und gefolgt von der Lade mit den Werkzeugen der Steinmetze zogen die neuen Gesellen in die vollbesetzte Werkstatt des Fortbildungszentrums ein. Vor Innungsobermeister Norbert Schlick kniend, beförderte sie dieser durch einen Schulterschlag mit dem Richtscheit offiziell in den Gesellenstand. Diese Handlung soll - einem alten Handwerksbrauch folgend - gleichsam die „letzte Züchtigung“ darstellen und damit auch das Ende der Lehrzeit.

Nach dem Anlegen der Steinmetz Schürze durften sie ihre ersten drei Schläge als Steinmetz -Gesellen mit Schlägel und Spitzeisen auf einem aufgebänktem Steinblock ausführen. Ullrich Schmitt von der Handwerkskammer für Oberfranken und Ralph Zannier vom Prüfungsausschuss überreichten danach die Bescheinigung über die bestandene Prüfung und bei Jürgen Wunderlich von der Berufsschule gab es die Abschlusszeugnisse.



Eine besondere Auszeichnung, je ein Buch als Preis des Landkreises Wunsiedel bekamen die zwei besten Absolventen der Prüfung unter dem Beifall der zahlreichen Gäste überreicht.
Julia Dietrich, Note 1,3 - Ausbildungsbetrieb Oskar Reithmeier, Velburg
Benjamin Wagner, Note 1,75 - Ausbildungsbetrieb Wagner Natursteine GmbH, Buttenheim




Mit einem gemeinsam gesungenen Zunftlied der Steinmetze „… wir dürfen uns nicht schlagen, wir müssen uns vertragen, wir reichen uns die Hand …“ und den Worten „Zieht nun hinaus in die Welt und bewährt euch als rechtschaffene Handwerksgesellen“ wurde die Zeremonie beendet.

Für die musikalische Ausgestaltung waren die Bläsergruppe "Young Brass" der Musikschule Wunsiedel und die Musikgruppe „Peter und Paul“ zuständig.

 

Nach oben